Szene Wien

Ausgewählte Wiener Foodblogs laden zum Backen und Kochen

Schon wieder ist es meine österreichische Kommilitonin Astis, die mich auf ein Thema für einen Blog-Beitrag bringt. Auf ihrer Seite hat sie zu einer Blogparade aufgerufen und will wissen, was wir an anderen Blogs gut finden.

Da ich zu Wien recherchiere, versteht es sich, dass ein gutes Blog für mich eines ist, das mit Wien zu tun hat. Zugegeben führen mich die weiteren Recherchen recht bauchgesteuert zu einer zusätzlichen Unterkategorie, an der ich spontan „hängen bleibe“: das Blog soll mit Wien und Essen zu tun haben. (Zweifellos bringen mich die guten kulinarischen Erfahrungen vergangener Sommerurlaube im Salzburger Land auf diese Assoziation, meine Familie liebt österreichische Mehlspeisen wie Kaiserschmarrn, Dampfnudeln und Strudel, am liebsten auf einer Alm nach einer Wanderung durch die Berge).

Was ich neben dem inhaltlichen Thema spannend an Blogs finde, möchte ich anhand konkreter Beispiele zeigen, die mich bei meiner Suche angesprochen haben (hilfreich dabei die Liste der österreichischen Food-Blogger). Generell stelle ich fest, dass ich an solchen Blogs am ehesten hängen bleibe, bei denen schon die Aufmachung und die Fotos zeigen, dass jemand einen eigenen Zugang zu seinem Thema hat. Ich verweile dort, wo ich die Begeisterung des Bloggers für „sein“ Thema spüre, mein Auge auf eine kreative und gleichsam  übersichtliche Gestaltung trifft und wenn der Inhalt einen „handgemachten“ Eindruck hinterlässt und authentische Bezüge zum Bloggenden aufweist. Wichtig finde ich, dass ich etwas über die Autorin oder den Autor und seine Motivation zum Bloggen erfahre.

Einige lesenswerte Blogs zum Thema Essen aus Wien (weitere hier):

Ziii kocht… was

Für Susanne Zimmel verbinden sich beimBloggen selbstverständlich alle Leidenschaften, die ihr  Leben prägen. Ihr (übrigens mehrfach ausgezeichneter) Blog ist für sie eine wunderbare Möglichkeit, andere Menschen daran teilhaben zu lassen. Die Wienerin möchte ihre Leser unterhalten und ihnen Freude am Kochen vermitteln. Daher versucht sie, ihren Foodblog nicht nur auf Rezepte und Kochanleitungen zu reduzieren. Schöne Fotos sind ein wesentlicher Bestandteil, für den sie sehr viel Zeit aufwendet, und um die Rezepte ranken sich immer Geschichten… (Mehr im Magazin Nido, da wird Frau Zii im Interview Blog der Woche portraitiert.)

Blaukraut nach Ziii.

 

 

Mein Blaukraut nach Ziii: die fruchtige Variante mit Orangen und Äpfeln (und ohne Karotten) habe ich – angeregt durch Frau Ziiis‘ asiatische Rezept – mit frischem  Koriander abgerundet. Zu Frau Ziiis‘ Originalrezept führt ein Foto-Klick.

Die Erdbeere

Hier stellt Anina Rezepte aus dem Familienschatz vor. Sie sind ein Konglomerat aus den Rezepten ihrer Mutter, ihrer Tante, alten und neueren Büchern und Zettelchen und Notizen. Für die studierte Modedesignerin ist die Küche ein kreativer und fröhlicher Ort. Ihre Küche in Wien ist gelb gestrichen und voll von Gläsern mit Mandeln, kandierten Früchten, Zuckersorten, von Phiolen mit Vanilleschoten und Gewürzen, von Döschen, Blechschachteln, Backformen, Kochbüchern und …

Orangenmond

Bloggerin Janneke arbeitet im Bereich Social Media und hat ihre erste Homepage im Alter von 12 Jahren auf einem Sommercamp “programmiert”. Seither hat sie das Internet nicht mehr losgelassen und startete 2009 ihr Experiment – Orangenmond. Hier sammelt sie Rezepte, teilt Fundstücke aus dem Netz und lässt ihrer Kreativität beim Umsetzen von Backideen freien Lauf. Ihr Ziel: Neues ausprobieren und zeigen, wie viel Spaß Backen machen kann!

Goldschwarz

Blogger Jürgen Liechtenecker verdient sein täglich Brot mit digitalem Marketing. Das Kochen hat er vor 25 Jahren begonnen, „weit vor den ganzen Jamie Oliver inspirierten Phasen, Kochsendungen und Foodblogs“. Der gebürtige Wiener versteht sich als Soul-Koch: er liebt  Gewürze und frische Kräuter und kocht asiatische Gerichte mit eigens zusammengestellten Gewürzmischungen. „Ach ja und unser Backrohr läuft fast rund um die Uhr, der Duft von feinen Mehlspeisen lockt so manchen Nachbar an.“

Die Kuechenchefin

Ursprünglich aus Vorarlberg kommt Bloggerin Katharina Schedler, weshalb sich das ein oder andere traditionelle Gericht aus ihrer Heimat in der Sammlung befindet. Die in Wien lebende Studentin präsentiert auf ihrem Blog hauptsächlich Gerichte, die schnell gekocht sind und keine genauen Maßangaben benötigen. Besonders gefallen hat mir auf der Seite das Rezept zu Zwetschgenmarmelade.

Zurück zum Wien um die Jahrhundertwende

Zum Schluss zum nationalen Heiligtum der Wiener Küche, dem Wiener Schnitzel, für das sich bemerkenswerter Weise in keinem der aufgeführten Blogs ein Rezept findet. Dafür thematisiert  das Wiener Restaurant „Zum Kellergewölk“  die Geschichte des Wiener Schnitzels und führt uns so zurück zur Zeit um die Jahrhundertwende. Der weltberühmte Name „Wiener Schnitzel“ soll nämlich erst 1908 geläufig geworden sein. Davor sei immer nur von „eingebröselten Kalbsschnitzen“ die Rede gewesen. Wem jetzt das Wasser im Munde zusammenläuft, dem sei der Link zum Gasthaus Plachutta (ein Tipp meiner Kommilitonin Astis) empfohlen, das sein original Wiener Schnitzel Rezept verrät.

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Die Kaffeehäuser sind ur-leiwand, sagt meine Kommilitonin

Was an Wien besonders ist? Auf alle Fälle die Kaffeehäuser! Das – und weiteres durchaus Interessantes – meldet meine Schreibstudiums-Kollegin Astis aus Österreich (die den Blog  „Schreibweisen“ betreibt). Kaffeehäuser, meint Astis, „sind wirklich “ur-leiwand”, und jedenfalls einen Besuch wert“. Dass Kaffeehäuser typisch Wien sind und ich dazu schreiben werde, versteht sich (hab‘ sogar schon eine Dobos-Torte gebacken und fotografiert, um den bereits phantasierten Beitrag illustrieren zu können). Was aber soll „ur-leiwand“ sein? „Echt supa“, übersetzt die Kommilitonin freundlicherweise auf Anfrage.

Gut -„ziemlich gut“ also. Was aber steckt inhaltlich im Wort „leiwand“? Ich könnte warten, bis ich die Kollegin Ende Februar in Berlin persönlich fragen kann, vielleicht am Abend bei einem Bier. Da wir uns mit der Bloggerei jedoch im Modul „Schreiben am Computer“ befinden und dort lernen sollen, was es heisst, in Zeiten des Web 2.0 zu leben, recherchiere ich vorab am Bildschirm, anstatt auf die bevorstehende Face-to Face-Begegnungen zu setzen,. Ich tippe „leiwand“ in den Google-Sucher und siehe: es kommt einiges heraus.

Zunächst zeigt sich, dass meine Assoziation mit dem Bier gar nicht so schlecht war. So schreibt das Magazin Wien Stadtbekannt unter der Rubrik „Unnützes Wienwissen“:

Leiwand. Im 15. Jahrhundert wurde das Bürgerspital in Wien zu einem internationalen Zentrum des Textilhandels. Den feilschenden Kaufleuten wurde Bier ausgeschenkt, das wegen des Leinenhandels bald Leiwandbier hieß. Das Bier hatte rasch einen sehr guten Ruf und so wurde der Ausdruck leiwand bald sprichwörtlich für etwas, das großartig ist.

Ziemlich unverhofft konfrontiert meine weitere Recherche mich dann mit einer eigenen biografischen Erfahrung, die ich verdrängt hatte und die jetzt wieder aufbricht. So schwant mir bei der Lektüre des von Simone betriebenen Blogs WORTdealer dunkel, das ich den Begriff „leiwand“ schon kenne und ihn vielleicht sogar schon benutzt habe – reichlich ahnungslos freilich. Leiwand, erfahre ich bei WORTdealer, lässt sich nämlich „regulär steigern“. (Ein Komparativ, der meine Erinnerung an einen zwei Jahrzehnte zurückliegenden Skiurlaub im Stubaital weckt.)

Rodeln is leiwand. Snowboarden is leiwander. Schifoan is des leiwandste!

Erinnert uns WORTdealer. Na? Klingelt es bei jemandem? fragt die in Stuttgart lebende aber im Herzen Rheinländerin gebliebene Bloggerin Simone und erklärt: “Ja Schifoan is des leiwandste, wos ma si nur vuastan kann”, das haben wir alle schon mal gesungen, nur schätze ich, dass etwa 78% der Deutschen Mitgröhler – genau wie ich – dabei gar nicht so genau wussten, was sie da singen.

Wer noch mehr Details wünscht, dem sei das inzwischen wohl verwaiste Forum Wien: Ein(e) Deutsche(r) in … empfohlen, dort von Meinrad Guggenbichler auch der ganze Text des Liedes von Wolfgang Ambros zum Mitsingen…

Zuletzt bringt mich meine Recherche noch zur Einsicht, den Begriff „leiwand“ als Deutsche in Wien besser nicht benutzen wollen zu sollen. Denn, so Kabarettist Severin Groebner: die Piefkes (zur Kulturgeschichte dieses Begriffs Jochim Riedel in der ZEIT) seien dazu einfach nicht in der Lage: „Dem Deutschen ist einfach der unendliche Variantenreichtum der wienerischen Knatsch-, Knorrtsch-, Zisch – und Umlaute nicht beizubringen“, erklärt er und jammert: „Trotzdem beginnt der Deutsche, sobald er sich einem Wiener gegenüber wähnt, sofort „wienerisch“ zu sprechen, oder des, was er dafür hält“.

Den Rest und alles andere zum Thema leiwand, sagt Severin Groebner Ihnen auf seinem Youtube-Video unten selbst: Wiener Charme, es lohnt sich! (Mehr von ihm sonst z.B. in seiner Kolummne in der Wiener Zeitung.)