Fleisch, Freud und Familienforschung – eine Fortsetzung

Freud’s Butcher“Fleisch, Freud und Familienforschung” –  die Alliteration auf unserem Blog gefiel der amerikanischen Bloggerin Edie Jarolim. Auf freudsbutchers.com bezieht sie sich ausführlich auf unseren Artikel. Ebenso erläutert die studierte Literaturwissenschaftlerin in ihrem aktuellen Blogbeitrag die Idee, Johnny Depp die Hauptrolle in einem Film mit dem Titel „The Mad Butcher of Berggasse“ spielen zu lassen. Und sie stellt einen empirischen qualitativen Vergleich zur Frage der Brauchbarkeit der Übersetzungsmaschinen von Google und Bing an.

Die Grossnichte des Nachbarn und Metzgers von Sigmund Freud würde die gründlich  recherchierten Inhalte ihres lesenswerten Blogs am liebsten in ein Buch fassen. Dafür aber wären weitere Recherchen notwendig und Edie Jarolim müsste für eine Weile nach Wien reisen, um vor Ort noch mehr Quellen zu den Wurzeln der Familie Kornmehl aufzuspüren und zu analysieren. Kein leichtes Erbe. Denn der Inhalt ist – trotz des Staunens über die nachbarschaftlichen Beziehungen zum weltberühmten Begründer der Psychoanalyse – ein Kapitel mit vielen traurigen und belastenden Seiten: Zahlreiche Mitglieder der Familie Kornmehl wurden im Nationalsozialismus in Konzentrationslager verschleppt und dort ermordet.

Das Verschwinden dieser Personen hinterliess eine Lücke – im realen Leben wie in der Familiengeschichte. Für die Überlebenden ist die Auseinandersetzung mit dem Familienschicksal immer wieder schwierig gewesen, berichtet Bloggerin Jarolim. Die Erlebnisse im Holocaust waren zu schrecklich, als dass sie – auch von ihren Eltern – hätten in Worte gefasst werden können, so ist Vieles lange Zeit einfach verschwiegen geblieben. Was die Identität der Familie Kornmehl ausmacht, kam wohl erst wieder neu und lebendig ins Bewusstsein, als Jill Kornmehl in mühevoller Kleinarbeit die Verzweigungen des Stammbaumes nachvollzog und Edie Jarolim ihren Blog freudsbutcher.com startete.

Der Blog zur Familie Kornmehl hat Chancen, sich noch weiter zu entwickeln. Edie Jarolim Buchprojekt scheiterte bislang am finanziellen Spielraum. Nachdem sich ihre Hoffnung auf ein Stipendium bei einem möglichen Geldgeber kürzlich zerschlagen hat, überlegt sie  neue – auch digitale – Wege zu einer Finanzierung. Sollte kein anderer Stipendiengeber einspringen oder sich eine andersweitige Förderungsmöglichkeit ergeben, kommt für die hauptberuflich als  Autorin und Lektorin tätige Amerikanerin auch eine Verwirklichung über das  Instrument des „Crowdsourcings“ in Frage.

Wir wünschen Edie Jarolim für die Weiterführung ihres Projekts zum Autobiografischen Schreiben, zur Erforschung der Geschichte der Wiener Familie Kornmehl und zur Erschliessung neuer Quellen zu Sigmund Freud auf alle Fälle viel Erfolg. Wie es ihr mit der Verwirklichung ihres Buchprojektes geht, werden wir sicherlich auf auf ihrem Blog verfolgen können. Und wer weiss: Vielleicht entsteht daraus am Ende tatsächlich sogar noch ein Kinofilm mit mit dem Titel “The Mad Butcher of Berggasse” und Johnny Depp in der Hauptrolle? (Zur Biografie des Schauspielers der Blog des Niederösterreichers Bernhard Gusenbauer)

Crowdsourcing – was ist das?

Eine erste sozialwissenschaftliche Annäherung an das vergleichsweise  junge Phänomen des Crowdsourcing erarbeitete Christian Papsdorf (vgl. Wikipedia) mit folgender Definition:

„Crowdsourcing ist die Strategie des Auslagerns einer üblicherweise von Erwerbstätigen entgeltlich erbrachten Leistung durch eine Organisation oder Privatperson mittels eines offenen Aufrufes an eine Masse von unbekannten Akteuren, bei dem der Crowdsourcer und/oder die Crowdsourcees frei verwertbare und direkte wirtschaftliche Vorteile erlangen.“ Ch. Papsdorf: Wie Surfen zu Arbeit wird. Crowdsourcing im Web 2.0, 2009, S. 69.

Weitere Beiträge zum Thema finden sich auf der Site von Stefan Peschel. Der Blogger veröffentlicht unter www.kultur2punkt0.de zahlreiche Beiträge zu dieser unkonventionellen Art der Kulturförderung. Unter anderem berichtet er, wie damit damit der Kurzfilm Das Mädchen mit der Violine in Dresden verwirklicht werden konnte.

Advertisements

10 Kommentare

  1. What fun to have this conversation between blogs — even though only one of us has a full comprehension of what is going on in both! You may inspire me to learn German yet….

  2. Hallo Dorothea! Ein schönes Blog hast du da gestartet! Mit einem Thema, das einem so oft nicht unterkommt: Fleisch, Freud und Familienforschung. Naturgegeben war ich als Österreicherin schon öfters in Wien und habe so einiges an Eindrücken und Erfahrungen der Stadt sammeln können. Besonders angetan haben es mir die Wiener Secession mit ihrem Jugendstil, der Naschmarkt und das Museumsquartier, aber natürlich auch die Albertina mit ihren tollen Ausstellungen und die Hofburg. Die Wiener Kaffeehäuser gibt es noch, die sind wirklich „ur-leiwand“, und jedenfalls einen Besuch wert.

      1. genau so – stimmt! Wobei ich zum Wienerischen noch dazu sagen muss, dass es ein wirklich genialer Dialekt ist. Er ist auch für mich als Nicht-Wienerin nicht annähernd nachahmbar, aber ich liebe es, wenn ich ihn hören kann. Die tiefer liegenden Wortspiele, verpackt in einen ganz eigenen Sprachausdruck sind einfach köstlich zum Anhören.
        http://www.janko.at/Wienerisch/Artikel/eristgestorben.htm
        Vielleicht hast du ja mal Lust darauf, schau dir einen Film mit Alfred Dorfer an oder – der mich sehr berührt hat, aber keine leichte Kost ist, und wo auch viel Wienerisches drin steckt: „Atmen“ von Karl Markovics
        http://www.atmen-der-film.at/

      2. …ja, “Atmen” habe ich gesehen. Ein toller, schlichter Film. Irgendwie scheint das Sterben in Wien in besonderer Weise zum Leben zu gehören?

  3. Hab ich mir beim raussuchen der Links auch gedacht. Ich weiß nicht, ob man das so verallgemeinern kann, aber jedenfalls ist in den typischen Wiener Liedern, die ja v.a. auch im vorigen Jahrhundert sehr populär waren, immer eine gehörige Portion an Melancholie und Sarkasmus mit dabei. Ein ganz bekanntes: „Es wird der Wein sein, und wir werd’n nimma sein,…“ Zum Nachlesen über das Wienerlied:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Wienerlied

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s